Händlerkosten im Einzelhandel
Nicht erst seit der Corona-Pandemie wird Kartenzahlung im Einzelhandel beim Bezahlen an der Kasse immer beliebter. Trotz dessen werden Girokarte oder Kreditkarte nicht immer und überall akzeptiert. Welche Ursachen hierfür bestehen und welche Kosten Händler bei Kartenzahlungen berücksichtigen müssen, erklären wir in unserem Ratgeber.
Zahlungsmittelkosten im Einzelhandel
Die deutsche Bundesbank hat in einer umfassenden Studie aus dem Jahr 2025 die Händlerkosten für verschiedene Zahlungsmittel erhoben. Dafür werden Fragebögen von 268 Händler ausgewertet, sowie ungefähr 13.000 Transaktionen an 15 Verkaufsstellen beobachtet und untersucht. Neben den Transaktionskosten werden auch weitere Aspekte einbezogen.
Kostenarten
Für die Studie 2025 unterteilen die Forscher Kosten in vier Kategorien:
| Posten | Karten | Bargeld | Geräte |
|---|---|---|
| allg. Gerätekosten | Anschaffung eines Kassensystems | |
| spezifische Gerätekosten |
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| Gebühren für Transaktionsdienstleistungen |
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| Verlust & Versicherung |
| Verlust |
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| Absicherung | Versicherungspolice mit risikoabhängiger Prämie | Zeitaufwendungen |
| Bezahlvorgang | Kassieren und Annahme des Zahlungsmittels | |
| Vor- und Nachbereitung |
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Surftipp: Zahlungsdienstleister im Vergleich
Kostenverteilung nach Zahlungsmittel
| Bargeld | girocard | Intl. Debitkarten | Kreditkarten | Kosten je Transaktion |
|---|---|---|---|---|
| Allgemeine Gerätekosten | 0,07 € | 0,07 € | 0,07 € | 0,07 € |
| Zahlungsmittelspezifische Gerätekosten | 0,02 € | 0,06 € | 0,03 € | 0,10 € |
| Transaktionsgebühren | 0,08 € | 0,18 € | 0,28 € | 0,48 € |
| Versicherung & Verlust | 0,01 € | 0,00 € | 0,00 € | 0,00 € |
| Zeitaufwand | 0,26 € | 0,30 € | 0,31 € | 0,35 € |
| Gesamt | 0,43 € | 0,60 € | 0,69 € | 1,00 € | Kosten nach Anteil am Umsatz |
| Allgemeine Gerätekosten | 0,3 % | 0,1 % | 0,2 % | 0,2 % |
| Zahlungsmittelspezifische Gerätekosten | 0,1 % | 0,1 % | 0,1 % | 0,2 % |
| Transaktionsgebühren | 0,4 % | 0,2 % | 0,8 % | 1,1 % |
| Versicherung & Verlust | 0,0 % | 0,0 % | 0,0 % | 0,0 % |
| Zeitaufwand | 1,4 % | 0,4 % | 0,9 % | 0,8 % |
| Gesamt | 2,3 % | 0,8 % | 2,1 % | 2,4 % |
| Von 500 Fragebögen konnten lediglich 268 als Datengrundlage genutzt werden, da andere unvollständig ausgefüllt oder zu kleine Fallzahlen hatten. Die Ergebnisunterschiede der Stichprobe und Grundgesamtheit wurden mit Gewichtung ausgeglichen. | ||||
Welche hoch sind die Kosten für verschiedene Zahlungsmittel?
Zahlen bitte – anhand eines Rechenbeispiels möchten wir nun zeigen, dass es durchaus erschwinglich für den Händler ist, wenn Kartenzahlung angeboten wird.
Beispiel-Szenario
Wir berechnen nun den Fall eines Einzelunternehmers mit kleinem Geschäft und zwei Angestellten, welches fünf Tage die Woche geöffnet hat. Also ca. 21 Tage im Monat. Täglich bezahlen ca. 5 Kunden mit einer Karte, was demzufolge 105 Transaktionen im Monat entspricht. Durchschnittlich kauft jeder Kunde für 20 Euro ein. Das ergibt 2.100 Euro Umsatz durch Kartenzahlung pro Monat.
Berechnung nach Transaktionen
Auf Grundlage der Bundesbank-Daten entstehen bei der Girocard Kosten von 63 Euro. (105 x 0,60 € = 63,00 €). Mit internationalen Debitkarten belaufen sich Gebühren hingegen auf 72,45 Euro und mit echten Kreditkarten auf 105 Euro pro Monat.
Berechnung nach Umsatz
Hier fallen für die Girocard Gesamtkosten von 16,80 Euro (2100 € x 0,08 / 100 = 16,80 €) an. Bei der Nutzung von internationalen Debitkarten sind es monatlich 44,10 Euro. Noch teurer sind die Unkosten der Kreditkarten, die 50,40 Euro betragen.
Damit sind mit Gesamtkosten zwischen 16,80 Euro bis 63 Euro pro Monat bei der Girocard zu rechnen. Internationale Debitkarten bewegen sich in einer Spanne von 44,10 Euro und 72,45 Euro. Am teuersten ist für Händler die Annahme von echten Kreditkarten: Unkosten zwischen 50,40 Euro und 105 Euro sind zu erwarten.
Alternative: Barzahlung kostenlos oder nicht?
Wie schon oben dargelegt, ist das Bezahlen mit Münzen und Scheinen für den Händler auch mit Zeitaufwand und Kosten verbunden.
Laut der Studie der Deutschen Bundesbank kostet jede Barzahlung im Schnitt 0,43 Euro. Werden die Kosten anteilig vom Umsatz betrachtet, so belaufen sich die Gebühren auf 2,3 Prozent. In unserer Beispielrechnung resultiert dies in monatlichen Gebühren von 45,15 Euro bzw. 48,30 Euro.
Ist ausschließlich Kartenzahlung legal?

Oftmals heißt es in Supermärkten und: Bitte mit Karte bezahlen. Kontaktloses Bezahlen gilt als sicherer als Barzahlung, da der direkte Kontakt zwischen Menschen vermieden wird. Dürfen Sie als Händler oder Gastronom die Annahme von Münzen und Scheinen komplett verweigern? Tatsächlich müssen Händler in ihrem Laden kein Bargeld akzeptieren und können sich auf das im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Prinzip der Vertragsfreiheit berufen. Demnach steht es Händlern und Kunden frei, wie sie ihren Vertrag inhaltlich gestalten und damit auch, wie sie bezahlen wollen.
Einzige Bedingung für den Händler ist, den Kunden über die Nichtannahme von Bargeld vor dem Kauf zu informieren, zum Beispiel in Form eines Hinweisschilds am Eingang oder an der Kasse. Auch bestimmte Banknoten dürfen laut Empfehlung der Europäischen Kommission abgelehnt werden, wenn der Kaufpreis in einem deutlichen Missverhältnis zur Stückelung des Geldscheins steht oder der Händler nachweislich nicht genügend Wechselgeld in der Kasse hat.
Fazit
Welches Zahlungsmittel am günstigsten für einen Händler ist, hängt von zwei wichtigen Faktoren ab: Anzahl der Transaktionen und Transaktionshöhe. Bei höheren Umsätzen sind Debit-Kartenzahlungsangebote deutlich günstiger. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Bundesbank. Je mehr Angestellte der jeweilige Händler hatte, desto günstiger wird das Bezahlen mit einer Karte. Die unbaren Zahlungsmittel profitieren stärker als Bargeld vom Skaleneffekt.
