Der Bargeldkreislauf: Wie unser Geld gedruckt, verteilt und vernichtet wird

Seit Einführung des Euro ist der Bargeldumlauf in Europa kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2014 war erstmals Bargeld im Wert von mehr als eine Billion Euro im Umlauf. Stabilität und Sicherheit gehören zu den wichtigsten Anforderungen an einen intakten Bargeldkreislauf. Damit der bare Zahlungsverkehr sicher, effizient und reibungslos funktioniert, werden hohe Anforderungen an die teilnehmenden Bargeldakteure und das Cash-Management gestellt. Trotz des Trends zu digitalen Zahlungsmitteln bleibt Bargeld ein zentraler Baustein der europäischen Wirtschaft – nicht zuletzt als verlässlicher Wertspeicher in Krisenzeiten.
Euro-Banknoten im Umlauf: Stückelungen, Mengen und Werte
Die Euro-Banknoten werden regulär in sieben Stückelungen herausgegeben: 5 Euro, 10 Euro, 20 Euro, 50 Euro, 100 Euro, 200 Euro sowie 500 Euro. Wobei die Ausgabe des 500-Euro-Scheins im Jahr 2019 offiziell von der EZB eingestellt wurde. Die bestehenden 500-Euro-Banknoten bleiben jedoch gesetzliches Zahlungsmittel und behalten ihren Wert unbegrenzt bei.
Aktuell sind über 31 Mrd. Banknoten im Wert von mehr als 1,6 Billionen Euro in der Euro-Zone im Umlauf. Mit der schrittweisen Einführung der sogenannten „Europa-Serie“ wurden die Scheine in den letzten Jahren zudem mit modernsten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet, um Fälschungen noch effektiver zu unterbinden.
Beim alltäglichen Zahlungsverkehr kommen vor allem die Scheine mit niedrigem und mittlerem Wert zum Einsatz; unangefochtener Favorit ist die 50-Euro-Banknote. Sie macht rund die Hälfte aller im Umlauf befindlichen Euro-Scheine aus.
Entwicklung des Bargeldumlaufs im Zeitverlauf
Die Nachfrage nach Bargeld steigt paradoxerweise oft dann besonders stark an, wenn wirtschaftliche Unsicherheiten herrschen. Viele Verbraucher nutzen Scheine und Münzen dann nicht nur für Transaktionen, sondern zur Krisenvorsorge und Wertaufbewahrung. Wie sich der Wert der in der Eurozone in Umlauf befindlichen Banknoten gegenüber dem jeweiligen Vormonat und Vorjahresmonat konkret verändert hat, zeigen unsere nachfolgenden Zeitreihen auf:
Werte von
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Der Weg des Geldes: Die Stationen des Bargeldkreislaufs
Bevor das Geld von der nationalen Zentralbank an die Geschäftsbanken herausgegeben werden kann, muss es produziert werden. In der Euro-Zone gibt es dafür 17 Druckereien und 14 Münzprägeanstalten. Mit der Ausgabe des Geldes durch die jeweilige Zentralbank beginnt der Bargeldkreislauf. In Deutschland erhalten die Geschäftsbanken ihr Geld durch die Deutsche Bundesbank. Diese müssen die Scheine und Münzen in einer Bundesbank-Filiale abholen. In der Regel übernehmen das beauftragte Wertdienstleister.
Die Logistik dahinter ist enorm: Während die Anzahl der Filialen und Betriebsstellen der Deutschen Bundesbank im Jahr 2000 noch bei 129 lag, wurde das Netz in den vergangenen Jahren massiv auf rund 30 Standorte gestrafft. Für die Geschäftsbanken wird der Weg zum nächsten Standort somit aufwändiger und teurer, weshalb ein hocheffizientes Cash-Management immer wichtiger wird.
80 bis 90 Prozent der Bargeldtransporte werden durch die rund 180 marktansässigen Geld- und Wertdienstleister erledigt. Diese sind somit eine der wichtigsten Stützen des Bargeldkreislaufs. Damit ein sicherer Transport gewährleistet werden kann, müssen strengste Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Bis zu drei Mitarbeiter sind pro Einsatz an Bord des Transportfahrzeuges. Die Dienste erfolgen in der Regel bewaffnet und nutzen hochgesicherte, gepanzerte Spezialfahrzeuge mit modernster GPS- und Kommunikationstechnik.

Die Geschäftsbanken bringen das Geld über Geldautomaten oder Kassenschalter zu den privaten Haushalten und Unternehmen in den Wirtschaftskreislauf. Das von den Kreditinstituten nicht benötigte Bargeld wird wieder an die Bundesbank zurückgeführt – entweder direkt oder über Wertdienstleister. Auch die Einnahmen im Handel können direkt oder über Wertdienstleister bei der Bundesbank eingezahlt werden.
Qualitätssicherung: Prüfung, Vernichtung und Recycling von Bargeld
Sowohl Wertdienstleister als auch Geschäftsbanken führen so genannte Cash-Center. Von geschulten Mitarbeitern und speziellen Hochgeschwindigkeits-Sortiermaschinen wird das Bargeld geprüft, gezählt und sortiert. Sofern es den Qualitätsansprüchen entspricht, wird es wieder ausgegeben.
Auch bei der Bundesbank wird das Bargeld regelmäßig bearbeitet, um die Bargeldqualität auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Mithilfe hochsensibler Sensorik (unter anderem für Infrarot-, UV- und magnetische Merkmale) wird das Bargeld auf Echtheit und Umlauffähigkeit überprüft. Verschmutzte, eingerissene oder stark beschädigte Noten werden konsequent aus dem Verkehr gezogen.
Die Bundesbank schreddert die nicht mehr umlauffähigen Banknoten, presst diese zu Briketts und entsorgt sie vorschriftsmäßig. Diese Briketts aus der reinen Baumwollfaser der Scheine werden häufig thermisch verwertet, also beispielsweise in speziellen Anlagen zur Energiegewinnung verbrannt. Aus dem Verkehr gezogene Münzen werden im Auftrag des Bundesfinanzministeriums entwertet und über das Verwertungsunternehmen des Bundes (VEBEG) an Metallproduktionsstätten zur Wiederverwertung und zum Einschmelzen verkauft.
Ausblick: Die Zukunft der Euro-Banknoten
Der Bargeldkreislauf steht vor stetigen Weiterentwicklungen. Ein wichtiges anstehendes Projekt ist die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten durch die Europäische Zentralbank (EZB) seit deren Einführung. Ziel der Überarbeitung ist es, die Geldscheine nicht nur mit der modernsten Sicherheitstechnik auszustatten, sondern sie auch visuell näher an die europäische Bevölkerung heranzurücken. Aus zahlreichen Einreichungen haben es vielversprechende Design-Vorschläge in die engere Auswahl geschafft, über die Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa abstimmen durften.
